Druckerschwärze versus Bytes? – Von der Koexistenz verschiedener Formate
Dienstag, 1. Juli 2014Digitale Entwicklungen bedeuten nicht das Ende des gedruckten Buches, eher werden die unterschiedlichen Versionen eines Textes einander ergänzend parallel existieren. Mit der inspirierten, unideologischen Haltung des Bricoleurs sollten wir nun die vielfältigen neuen Möglichkeiten der Textverbreitung erforschen und ausnutzen.
[…] Und vielleicht sollten wir alle, die wir tagtäglich den Weg durchs digitale Dickicht suchen, die wir staunend, zögernd, begeistert durchs Labyrinth tapsen, uns im Netz verfangen – vielleicht sollten auch wir uns nun einmal an der Bricolage versuchen und, zumindest vorübergehend, zu Bastlern werden. Dies ist vermutlich nicht der Moment für große Konzepte – Konzepte, die uns das Gefühl der Kontrolle in Zeiten drohenden Kontrollverlusts suggerieren, doch während man über ihnen brütet, hat die Welt da draußen schon wieder zahlreiche Haken geschlagen und man kann gerade wieder von vorne anfangen. Es gilt eben nicht, die ganz breiten Schneisen zu schlagen, sondern in kleinen Schritten unvoreingenommen und einfallsreich auszuprobieren, was funktionieren könnte, welche Formate, welche Produkte. Eine höhere inspirierte Bastelei, wenn man so will, und erstmal kein »Fünfjahresplan« mit all seinen Vorgaben und Einschränkungen. Flexibilität, kleine Strukturen – auch innerhalb der größeren –, die schnelleres Reagieren ermöglichen, offenere Entscheidungsprozesse, die Lust am Experiment, überhaupt an einem beständigen Austausch, an einer nachhaltigen Kommunikation: Wenn man die Herausforderungen des Netzes gewinnbringend annehmen und der digitalen Welt mit ihrer enormen Beschleunigung und ihrem geradezu proteischen Charakter effektiv begegnen will, so zeitigt das womöglich auch interessantere Formen der Zusammenarbeit. Diese gigantische terra incognita mit ihren oft nur schemenhaft antizipierbaren Eigenschaften sollte man beherzt betreten – ganz nach dem Vorbild des Bricoleur, der sich die Welt mit kritischer Intelligenz, mit Geduld und Spucke durch stetes Ausprobieren für kurze Momente und immer wieder aufs Neues aneignet und nutzbar macht. […]